Label: Eastblok Music
Heute mal kein
Diskurs, heute mal
inkonsequent, stattdessen mal einfach wieder den unfassbaren Balkan-Sound abfeiern.
La Minor klingen dabei ungefähr so wie damals, mit 15, 16 zum ersten Mal Kusturicas
Underground: Vor dem Videorekorder knien, zurückspulen bis zum Anfang, dann auf Play, und dann kommt sie schon angerannt, eine wilde Meute Highspeed-Bläser, mit aggressiven Tubas, marodierenden Trompeten durch's kriegsgebeutelte Prä-Tito-Belgrad. Wer hätte da schon ruhig sitzenbleiben können? Seitdem ist viel Wasser die Donau runtergeflossen, und nicht nur Goran Bregovic, der für den Soundtrack des Films verantwortlich war, hat seine Unschuld verloren.
Oboroty jedenfalls ist wieder genau das, wieder genau dieses wunderbare, nicht zu vergleichende Gefühl, vielleicht von Freiheit, irgendwie: Mit schönen Mädchen durch die blühenden Sonnenblumenfelder rennen im Hochsommer, das ist spritzende Schweißtropfen von feuchten Stirnen in winzigen Hinterhöfen, das ist mit allen meinen Freunden, mit allen Menschen im Kreis tanzen und durchdrehen und lachen bis ins Morgengrauen, und wenn sie mich morgen unter die Erde bringen müssten, so sollen meine Freunde auf meiner Beerdigung genau dazu tanzen, zu La Minor, zu diesem Haufen Möchtegern-Mafiosi aus Sankt Petersburg, der eigentlich nach Odessa klingt - hopa hopa hopa! Bis auf weiteres bin ich wieder bekehrt.