
Hot Chip haben mit ihrem neuen Album „One Life Stand“ vermutlich nicht ihr persönliches Meisterwerk geschaffen, dafür hingegen ihr bislang poppigstes und zugänglichstes Werk. Der Hot Chip Sound ist allerdings originell und unverwechselbar genug, um nach Beseitigung einiger Ecken und Kanten noch immer ein ausreichendes Maß an eigener Charakteristik aufweisen zu können. Anders gesagt: Hot Chip klingen auch auf „One Life Stand“ unverkennbar nach Hot Chip, dürften aufgrund der gesteigerten Geradlinigkeit aber einige zusätzliche Pop-Herzen erobern können. Wirklich schlechter ist ihre Musik deshalb auf keinen Fall geworden und es käme wohl auch niemand auf die Idee, den Pet Shop Boys Eingängigkeit vorzuwerfen. Davon abgesehen: Hot Chip haben keineswegs ihre Seele verloren. Im Gegenteil, unterm Strich ist „One Life Stand“ womöglich ihr bislang wärmstes und gefühlvollstes Werk. In der Mitte der Platte haben sie gar ein reinrassige Ballade („Slush“) platziert. Die von Alexis Taylor und Joe Goddard angeführte Band weiß um ihre Wirkung auch mit weniger Frickeligkeit. Sie arrangieren flockige House-Elemente mit flächigen Synthie-Flächen und hypnotischen Gitarrenspuren. Taylors zarter Gesang verliert sich dabei niemals in einem aufgeplusterten Soundwall. Hot Chip beherrschen es stattdessen bemerkenswert gut, ein aufregendes Sounddesign zu kreieren, welches trotz aller Klangfülle genügend reduziert und aufgeräumt wirkt. Und in Sachen Stilempfinden und Eigenständigkeit kann sich ein Newcomer wie Delphic durchaus einiges von ihren Landsleuten abschneiden. Auf Album Nummer vier haben Hot Chip zudem wieder einige betörend schöne Songs im Repertoire. So zum Beispiel der funkelnde Ohrwurm „One Life Stand“ oder das famose „Hand Me Down Your Love“, bei dem sich treibende Rhythmusklänge mit einer sanft-melancholischen Melodie verbinden. Hot Chip selbst beschreiben ihr neues Album übrigens folgendermaßen: "One Life Stand" see’s a proliferation of influences as diverse as the burgeoning UK funky scene to soul music, modern R&B, Northern Soul, Gospel, Golden Age Electronica, House, the sounds of Arthur Russell, Prince and Theo Parish…". Ich kann das selbständige Überprüfen dieser Aussage auf jeden Fall jedermann ans Herz legen.
10.03.2010 - Köln - Live Music Hall
11.03.2010 - Hamburg - Uebel & Gefährlich
12.03.2010 - Berlin - Astra Kulturhaus
14.03.2010 - Frankfurt - Mousonturm
www.hotchip.co.uk