
Der gute, alte Ska. Zeitlos irrelevant. Aber eben: Zeitlos. Einen kurzen Augenblick im Zentrum des Pop-Diskurses vielleicht Ende der Siebziger, als The Clash und die Specials Punk in Richtung Jamaika weiterdachten – mit einem antirassistischen Background, der allzu oft auf ein Schachbrettmuster reduziert wurde. Seitdem taugt Ska zumeist eher für den Grillabend-Diskurs.
Nothing wrong with that, natürlich; auch wenn so manchem Vertreter aus der Ska-Punk-Szene ein wenig Verwurzelung im kritischen Denken ganz gut zu Gesicht stünde. Etwa den doch hoffentlich längst abgemeldeten Ska-P, denen ich gerne mal ein leider noch zu schreibendes Standardwerk zu linken Antisemitismus
über den Kopf ziehen würde. Der gute, alte Ska also. Der uns Provinz-Metropolenkindern ja den ein oder anderen Abend gerettet hat, wenn die lokalen Heroen mit den szenetypisch unlustigen Wortspielnamen zum, jaja, Pogen einluden. Der also. Was hat der auf diesen Seiten verloren?
Neulich erreichte mich tatsächlich eine Platte, die ganz schön unpeinlich Ska war – und Calypso, Reggae und allerlei Tropicalia mehr. Buena Vista Russian Club, wortspielt das Label (und damit ist man auf diesen Seiten ja nahezu daheim, da bewegt man sich ja quasi in unseren Kern-Diskursen). Die dazugehörige Band heißt
Markscheider Kunst, fünf Alben und fast zwei Jahrzehnte ist das Spektakel aus St. Petersburg an mir vorbeigegangen. Denn spektakulär ist das jederzeit: Zu den unglaublich sonnigen
vibrations kommt ein gehöriger
novelty-Faktor in Form russische Texte, deren eigenwilliger Sprachfluss einfach großartig klingt, wenn er auf Hawaii und Highlife trifft. Natürlich gibt es auch Osteuropa-Folklore, aber eben nie ohne die zähflüssige Leichtigkeit von 40 Grad im Schatten bei leichter Brise überm Meer.
Utopia heißt das Album, und vielleicht ist das ja eine Ansage – ich bin von diesem tighten, sanft experimentellen, gutgelaunten Sound jedenfalls sehr überzeugt. Und übrigens auch, das sei an dieser Stelle mal angefügt, von der Arbeit des Labels
Eastblok, das, wie schon im letzten Jahr etwa mit den großartigen
La Minor, wieder einmal eine spannende osteuropäische Band fernab der branchenüblichen Traditions-Purismen gefunden hat und sich so langsam, fernab von Hipster-Pop-Relevanz natürlich, zu einem kleinen Qualitätssiegel gemausert hat.