
Beim ersten flüchtigen geografischen Verorten von Norman Palm könnte der Hörer glatt auf die Idee kommen, dieses musikalische Projekt aufgrund des eher nasalen „Kaugummi“-Gesangs in südlichere Staaten der USA zu stecken. Aber selbst wenn der hier tätige Musiker zudem sogar auf Country- und Folkzugaben zurück greift, kommt Norman Palm eben nicht aus einem kleinen, verschlafenen Ort in Oklahoma, sondern aus dem deutschen Meppen und lebt derzeit in Berlin und der Liebe wegen von Zeit zu Zeit auch in Mexiko City. Stichwort Liebe: Das zweite Norman Palm Album „Shore To Shore“ habe ich von dessen Promoterin mit dem handschriftlichen Zusatz „was fürs Herz“ geschickt bekommen ... und ich gebe ihr vollkommen recht. Auf den zehn Stücken dieser Platte präsentiert sich der Berliner wirklich von der gefühlvollsten Seite. Seine sehr schönen Melodien sind durchdrungen von einer sanfter Melancholie. Die Arrangements der Songs schmückt Norman Palm mit unaufdringlichen, aber sehr sorgfältigen Ideen aus. Neben den bereits erwähnten Folkbeimengungen sind auf „Shore To Shore“ auch sehr viele elektronische Spielereien zu hören. Ein Stück wie „Easy“ wird von sanften Beats eröffnet, das countryesk und ruhig beginnende „$20“ erhält im Laufe des Songs ebenso elektronische Beats spendiert, die dem Stück einen hypnotischen Spin verleihen. Doch die wahre Stärke dieses Albums sind die wunderschönen Melodien. Norman Palms Debütalbum war noch eher ein Nebenwerk zu einem Grafikstudium und die CD fast schon „Beigabe“ zu seiner Abschlussarbeit, einem Grafikbuch. Mittlerweile hat sich Norman Palm aber scheinbar eher der Musik verschrieben ... aufgrund dieses Albums darf man sich darüber jedenfalls durchaus freuen.
www.normanpalm.com