In eigener Sache: doing gypsy - Antiziganismus und Popkultur31. August 2009 / Kategorie: Events Dass die mehr oder weniger kritische Begleitung des Balkan-Trends auf diesen Seiten ja doch eine gewisse Kontinuität besitzt, dürfte durchaus aufgefallen sein, aufgefallen ist sie auch den Macher_innen der Veranstaltungsreihe doing gypsy in Marburg, die vom 2.9. bis 10.9. stattfinden wird und Vorträge, Diskussionsrunden, Kino und natürlich Musik verbindet. Im Rahmen dessen wird meine bescheidene Wenigkeit am Samstag, den 5.9. einen Vortrag halten mit dem Titel Well, I Walked Right On to Your Rebel Roadside. 'Schwarze Katze, Weißer Kater' und der Antiziganismus der Popkultur. Dabei soll es neben einem Abgleich traditioneller Zigeuner-Stereotype mit dem Film Schwarze Katze, Weißer Kater (Emir Kusturica, 1998) vor allem um die Entwicklung des letzten Jahrzehnts gehen, um die Frage, warum gerade heute Balkan-Musik einen besonderen Nerv zu treffen scheint und darum, ob etwa Shantels exzessiver Paprika-Patriotismus nicht doch ein bisschen skeptischer gelesen werden könnte. Viel schöner formuliert ist das ganze hier – falls also jemand grad in der Nähe ist undsoweiter. Und zu Shantels neuem Album Planet Paprika, das aller kritischer Lesart zum Trotz eine tolle Sache geworden ist, dann nächste Woche, wenn die Chose rum ist, auch wieder runde Formulierungen bei e)).
Konzertbericht: Adam Green / Turner Cody | 23. April 2008 | Mousonturm Frankfurt25. April 2008 / Kategorie: EventsUnter dem großen Götzenbanner fand diese Veranstaltung mal wieder statt: hinter Vorgruppe und sich selbst thronte das riesige Adam Green Conterfeit-Transparent, das man schon seit dem 'Adam Green' Albumcover kennt. Risse und Abnutzspuren sind darauf zu erkennen. Hat schon so einige Bühnenhintergründe geschmückt und kennt die "Choreographien" von Green wohl schon auswendig. Aber dazu gleich mehr. Support war Turner Cody. Positiv gesinnter Countryfolk aus New York. Wenig Überraschendes was Melodien und Hooklines angeht. Wären seine Songtexte nicht im Getuschel des ungeduldigen Publikums untergegangen, vielleicht hätte sich die eine oder andere Zeile ganz passabel angefühlt. Dann sein Auftritt. Wie ein versehentlicher Rockstar lässt er sich feiern und stürmt als letzter auf die Bühne, während seine Band (samt Zwei bezaubernder Gospelsängerinnen) das Intro zu 'festival song' vorbereitet. Ab dann läuft die Maschine. Green ist sich seiner Popularität in Deutschland sicher bewusst und entgegenet auf Zwischenrufe des jüngeren Publikums ("Du geile Sau!") mit "Schnitzel? What?". Aber das immer nur im 2-Song Abstand. In einem Zyklus von gefühlten Fünf Minuten reiht die Gruppe zwei Songs hintereinander, um eben in der Pause zu den nächsten Zwei Songs ein paar Worte ans Publikum zu verlieren. Der prall gefüllte Mousonturm nimmt das vor Freude grinsend auf und verliert sich bald wieder im Schunkeln, schief Mitsingen oder Schweiß von der Stirn wischen. Betrachtete man das ganze Konzert aus 20 Meter Abstand, verlor das Bühnengefüge erstmal reichlich an Zauber. Ein Argument, das für mich ausdrückt, wie langsam der "Post-Anti-Folk" seine Aura in die Menge verströhmt, wie intim die Ausstrahlung dieses Performers doch eigentlich ist. Sei's drum. Nach etwa ein er halben Stunde hibbelte dann doch der ganze Saal. Irgendwann klassisch: Green allein auf der Bühne mit crowdpleasern wie 'Friends of mine' und 'Emily'. Alles nach Protokoll der vorherigen Abende, denkt man. Tanzschritte wie Witzchen. Letztlich ergab der Abend aber ein gut gelauntes Konzert mit Green in voller Fahrt und einem Publikum, das den lauen Frühlingabend irgendwie nicht besser hätte nutzen können. Konzert: Autechre, Stadtgarten Köln, 05.02.086. März 2008 / Kategorie: Events
Zwei Stunden Fahrt sind es nur nach Köln, aber die Bahn verlangt dafür ein Vermögen. Zwei Stunden Fahrt für eine Stunde Konzert? Nun, es sind Autechre. Und was tut man nicht alles, um Namen auf seiner "Wollte ich schon immer mal sehen"-Liste abzuhaken.
Rob Hall klingt nicht nur nach einem Allerweltsnamen für elektronische Künstler, er klingt auch beinahe genauso Allerweltig. Ein ganz nettes Rahmenprogramm für Davor, Dazwischen und Danach, aber nicht mehr. SND hingegen machen Freude. Super-Minimalismus der Spannung immer nur aufbaut, der über eine Stunde lang mit den selben wenigen Samples auskommt und immer wieder ganz kurz vor dem großen Break steht ohne ihn je zu erreichen. Eine Stunde ist schließlich angesetzt für Autechre, und eine halbe davon schließe ich die Augen und erlaube meinem Kopfkino, die wirrsten Bahnen zu ziehen. Abstrakte Bilder wandeln sich in glitzernde Städte. An Roulette-Tischen vorbei geht es in Maschinenräume, hinaus auf die See, hoch zu Festungen und durch blitzende Tunnel, es ist schon seltsam was man auch ohne Psychoaktive Drogen aus seinem Gehirn heraus holen kann. Musikalisch: Werkschau. Mal klingt's nach Confield, mal ist's tanzbar, aggressiv und wieder verspielt, Referenzen an die Gegenwart und die Vergangenheit. Letztendlich sind die Alben von Autechre nur Momentaufnahmen der aktuellen Soundwelten in denen sich das Duo bewegt, und so ist das Konzert eben auch eine Momentaufnahme. Eine die trotz ihrer Kürze jede Fahrt rechtfertigt. Konzertbericht: David Dondero | 24. Januar 2008 | Brotfabrik Frankfurt25. Januar 2008 / Kategorie: EventsDas alles stimmt auch irgendwie. Nur ist er nicht mehr Anfang 20 und auch nicht mehr der Athletischste. Das Herz des rastlosen Bären hat er dafür allemal. Streift durch die Wildnis der Bühnen und führt das nomadenhafte Leben in Backstagehöhlen. Winterschlaf nur dann, wenn der Schnee draußen die Luft erfrieren lässt und seine Worte nicht mehr zu unseren Ohren durchdringen können. Gestern sind es wintermilde 7 Grad, als sich Dondero in der Frankfurter Brotfabrik auf die Bühne schleppt, um vor ca. 80 Gästen ein paar Songs zum Besten zu geben. Keine Vorgruppe. Kein Trara. Einfach nur Musik. Halblaute Gitarre und Beiwerk namens Schlagzeug. Schwierig der Einstieg. Er scheint anfangs müde und nervös gleichzeitig. Spielt früh Hits seines neuen Albums "Simple Love". Greift auf Klassiker von "South of the south" zurück. Steht seinen einsamen Mann..das "One-man-band" feeling eben. Als er versucht, mit der Digitalkamera ein Foto des Publikums zu schießen, wird es ungeduldig. Als ihm kurz vor der Zugabe der Humbucker seiner Gibson in den Korpus fällt, schmunzelt es.Alles läuft gut. Routiniert. Keine feschen Höhepunkte. Und trotzdem oder gerade deshalb immer wieder Momente der berührenden Melancholie, getränkt in mundgerechte Balladenhappen. "You know those assholes..at good partys, that are speaking of commiting suicide? I used to be that. Beste advice i ever got: Do it, stop getting on our nerves. But i'm too much of a pussy..." Dann lacht er und beginnt mit dem nächsten Song. Der Mann war schon auf ner Menge Partys und singt nicht erst seit gestern von Zweifel und Hoffnung. Irgendwo fühlt man bei ihm eine Verlässlichkeit, die schwört, sich all diese Botschaften hart erarbeitet zu haben. Einer der wichtigen amerikanischen Songwriter im Folkbusiness.. Wenn ihr Dondero mal selbst erleben wollt, und das rate ich euch hiermit sehr, dann habt ihr dazu in Deutschland noch 5 mal die Gelegenheit: 25.1.2008 - Mensa Bar, Freiburg 28.1.2008 - Radio Konzert BR Zunfunk, München 29.1.2008 - Knust, Hamburg 30.1.2008 - MUZ, Nürnberg 31.1.2008 - Quasimodo, Berlin http://www.myspace.com/davedondero Max Ophüls Preis 2008: "Selbstgespräche" siegt20. Januar 2008 / Kategorie: Events![]() Selbstgespräche heißt der Gewinner des Max Ophüls Preises 2008. Damit kürte die Jury einen Film über Kommunikationsprobleme: Vier Mitarbeiter eines Call-Centers stehen im Zentrum des Debüt-Films von André Erkau, vier gescheiterte Existenzen, die sich nicht unterkriegen lassen. In seinem Ensemble-Film wird ein Call-Center zum Mikrokosmos unserer Gesellschaft, deren Sprachlosigkeit im Zeitalter der totalen Vernetzung immer offenkundiger wird. Nicht nur der Job der Figuren ist im Übergang, sondern auch ihr Leben. Ein verstummtes Ehepaar, eine allein erziehende Mutter, ein liebenswertes Großmaul und ein menschenscheuer, junger Mann - in all diesen Existenzen finden wir uns wieder. Mit unseren Unsicherheiten und Ängsten, aber auch mit unseren Träumen und Sehnsüchten, begründete die Jury. Zugegebenermaßen hat mich der Film überhaupt nicht angesprochen, zu sehr erschien mir die Thematik ausgelutscht und gewollt, was aber auch in diesem Jahrgang auf allzu viele Filme zutraf. Die Jurybegründung weckt mein Interesse nun auch nicht wirklich… "Max Ophüls Preis 2008: "Selbstgespräche" siegt" vollständig lesen Filmfestival Max Ophüls Preis 200816. Januar 2008 / Kategorie: Events![]() Sooooo. Schlusstriche gezogen unter vier Monate Schweiz, kurz in die saarländische Heimat, um nochmal Luft zu kriegen für WG-Suche und andere Marburger Komplikationen: Willkommen daheim, Herr Greiner! Und endlich wieder irgendwie auch bei e)) einsteigen, bevor die Seite völlig stagniert. Da trifft es sich gut, dass dieser Tage in Saarbrücken das Filmfestival Max Ophüls Preis an den Start geht, eines der wichtigsten Foren für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm, wo zukünftige Lieblingsdarsteller und –Regisseure mit Debüts und Zweitwerken reüssieren, straight from the Filmhochschule oftmals, immer aber mit kritischem Blick und interessantem, eigenen Ansatz. Neben dem Hauptwettbewerb für Langfilme steht ein Preis für Kurzfilme und – seit diesem Jahr - 'mittellange' Filme auf dem Programm, flankiert von diversen Auszeichnungen für Einzelleistungen (und einem mehr als ausführlichen Rahmenprogramm). Prominente Preisträger der letzten Jahre: Das Weiße Rauschen (Hannes Weingartner), Muxmäuschenstill (Markus Mittermaier), Florian Henckel von Donnersmarck, Martin Gypkens, Stipe Erceg. Und der letztjährige Siegerfilm Full Metal Village über das Wacken-Festival konnte sich nun auch einiger Beliebtheit erfreuen. Gott, kritisches Denken völlig verloren? Zugegebenermaßen, schließlich verbindet mich immer noch eine persönliche Beziehung zum Max Ophüls, war ich doch 2003 Mitglied in der damals neugeschaffenen und heute längst anerkannten Nachwuchsjury. Grund genug, in den nächsten Tagen das eine oder andere Highlight aus den diversen Bereichen vorzustellen, in der Hoffnung, vielleicht einen zukünftigen Klassiker zu entdecken, vor allem aber die Aufmerksamkeit auf ein paar spannende, potentiell im Kino untergehende Filme zu lenken. Die Filme: Der Pfad des Kriegers (Andreas Pichler) Shake The Devil Off (Peter Entell) Die Tränen meiner Mutter (Alejandro Cardenas-Amelio) Stiller Frühling (Nico Sommer) Die Preisträger Konzertbericht: St. Vincent / Windmill | 2. Dezember 2007 | Gebäude 9 Köln5. Dezember 2007 / Kategorie: Events Es scheint, als müsse es immer in Ströhmen regnen, wenn ich mir die Fahrt nach Köln zu einem Konzert vornehme. So auch am 2. Dezember, dem ersten Advent des Jahres 2007. Ein verregneter Sonntag an dem es sich wohl die meisten Menschen mit ihren Lieben zu Hause vorm Fernseher gemütlich machten. Denn die Halle war um 21 Uhr mit vielleicht gerade mal 60 Menschen gefüllt. Leute ohne Fernseher wahrscheinlich. Und in der Medienstadt Köln können das eben nicht viele sein. Nungut. Auf dem Programm standen Windmill aus England und danach St. Vincent aus Amerika. Windmill kannte ich vorher nun überhaupt nicht. War beim ersten Basedrumanschlag sogar noch im Foyer. Aber dann durfte ich diese Band eine kurze halbe Stunde lang beobachten. Aus der zweiten Reihe, versteht sich. Und da standen sie also: Matthew Thomas Dillon am E-Piano und dazu sein Tourdrummer (dessen Namen ich mir nicht merken konnte, ich bitte um Verzeihung). Ja, und es war eine wirklich kurze halbe Stunde. Zwischen den Songs flachste man so über die Ansprüche ans "zweite Album" oder Inspirationen, die man auf der Tour versucht zu erlangen. Dies mündete in einem improvisierten Stück "namens" "german carrots are bigger than english carrots". Sehr gut, sehr gut. Einen englischen Humor hat der gute Dillon also auf alle Fälle. Musikalisch, und das sagten die beiden auch selbst, bedauerte man, dass sie aus finanziellen Gründen keinen Chellisten mitnehmen konnten. Dieser hätte der Band sicherlich noch einen Bonus in Sachen Präsenz gegeben. Aber so konnten die beiden zu zweit auch überzeugen und spielten elegant gequälte Songs wie "replace me" oder "tokyo moon" vom Album "Puddle City Racing Lights". Irgendwie sympathisch die beiden. Vor allem als während des Auftrittes von St. Vincent einem von beiden lauthals das Handy klingelte. Doch diese Störung stahl Annie Clark, der Frontfrau und dem kreativen Kopf von St. Vincent, keineswegs die Show. Herzallerliebst präsententierte die zierliche Frau, kaum größer als ihre Gitarre, ein potpourris aus ihrem Album "Marry Me". Mit Geiger, Piano, Schlagzeug, Gitarre, Bass und vereinzelten elektronischen Effekten schenkte sie dem auserwähltem Publikum einen romantisch verzerrten Abend. Würde ich über Tim Burtons Popmusikgeschmack informiert sein, ich würde behaupten, er hätte an diesem Sonntag seinen Gefallen gefunden. Obskure Zirkusmelodien zwischen pompösen Sonic Youth-esken Ausbrüchen. Und als sie am Ende auch noch "these days" (Nico) solo coverte war der magische Funke schließlich bei allen übergesprungen, war die Einschaltquote quasi bei 100%. Und das alles ohne Fernseher, an einem Advent im Dezember 2007. Sehr gut, sehr gut.Dank an Magali Steinbüchel für die freundliche Bereitstellung der Konzertfotos! Kurt Wagner (Lambchop) - Live in Zürich / EL Lokal23. Oktober 2007 / Kategorie: Events
Hier wird nichts verkauft, nichts promotet, keine Platte zur Tour, keine Tour zum Album, kein Geschäft, kein Kommerz - hier geht es nur um Musik, um hervorragende Songs, um Kunst. Nanu, mag man sich denken, liest man diese Worte in Kreideschrift auf der Tafel an der Tür des El Lokal, wenige Minuten vor dem Solo-Konzert von Lambchops Kurt Wagner, ist das denn nicht selbstverständlich? Eine unfreiwillige Enttarnung der unendlich intimen, intensiven Lambchop-Gigs als notwendige finanzielle Maßnahme? Gibt es da nicht diese Gerüchte um das bevorstehende Solo-Debüt des Masterminds? Und warum findet sich dieser Text nun auf nahezu allen Webseiten der Tourstationen? Schön ist es, dass man diese unschönen Gedanken schnell vergessen kann, sobald man diese tollen Location betritt, einer Kneipe, untergebracht in der Scheune einer alten Kaserne, beeindruckend hoch und auf mehrere Ebenen verteilt, bis oben vollgestopft mit Krempel, eine Mischung aus Abenteuermuseum und Kirmes.
"Kurt Wagner (Lambchop) - Live in Zürich / EL Lokal" vollständig lesen Haldern Pop 2007, Part III. Der letzte analoge Ausweg.9. August 2007 / Kategorie: Events![]() In einem längeren Artikel im Haldern-Magazin versucht Organisator Stefan Reichmann, das Haldern Pop – das er hier explizit und erfreulich unnostalgisch auch unter anderem als Marke mit eigenem Profil versteht - im Rahmen einer Geschichte der Verhältnismäßigkeit vom Digitalen zum Analogen darzustellen. Denn genau diese digitale Welt von morgen stehe in Abhängigkeit zu diesen Schauplätzen, denn sie bietet den "Inhalt" für ihre Existenz. Festivals als letzter analoge Ausweg einer virtuellen Einbahnstraße? Eine durchaus interessante These in einem mehr als interessanten, sensiblen Text. Fakt am Samstag ist jedoch, dass vor allem mit Voxtrot und Malajube, aber auch mit Architecture In Helsinki und Lonely, Dear doch einige Bands auf dem Programm stehen, deren Bekanntheitsgrad sich ganz überwiegend auf transatlantische und hiesige Blogs stützt, erinnert man sich etwa an die seit Jahren kursierenden Voxtrot-EPs. Ein Festival als Ort, wo die Überraschung noch das hält, was sie verspricht? Musikalisch leider nicht mehr immer, aber dafür doch in vielen anderen Belangen. Was könnte hier schon nebensächlich sein? "Haldern Pop 2007, Part III. Der letzte analoge Ausweg." vollständig lesen Haldern Pop 2007, Part II. Papa, wer war Zappa?7. August 2007 / Kategorie: Events![]() Bei zwei Dingen zumindest kann man sich sicher sein auf dem Haldern Pop: Erstens, dass ganz sicher die dritte Garde junger britischer Gitarrenbands da sein wird – nach anderer Zählart mag es auch die zweite sein – und zweitens, dass der erste Tag des Festivals nach kurzer Zeit im Schlamm versinkt, was aber nie so richtig schlimm ist, weil’s halt dazugehört. Und schließlich niemand was zu kann. Der erste „richtige“ Festivaltag am Freitag beginnt jedoch mehr als sonnig. Dem kalten Wind ist man da fast schon dankbar, dass er zumindest den Vormittag ganz erträglich macht. Dafür aber ist Verlass, was die Band-Auswahl angeht: Mit Ripchord aus Wolverhampton steht endlich Musik unter freiem Himmel an. Die vier aus Wolverhampton spielen den üblichen Stiefel in der Tradition der beatlesken Libertines, aber durchaus mit Pop-Potential auf Anschlag, denn das macht wirklich Spaß, auch wenn manche Phrase allzu vertraut klingt. Dafür aber mit Frau am Schlagzeug. Haldern-Gruppen pflegen ja durchaus die Tradition der einen Frau im Männerbund, die dann Harmoniegesang und Violine beisteuert, bestenfalls auch optisch einige Reize bietet. Was sagen da eigentlich die Pop-FeministInnen? Oder soll man einfach dankbar sein, dass überhaupt hier Bands mit Frauenbeteiligung in einer doch überdurchschnittlichen Anzahl auftreten? "Haldern Pop 2007, Part II. Papa, wer war Zappa?" vollständig lesen Haldern Pop 2007, Part I. Die Ohnmacht der Möglichkeiten.6. August 2007 / Kategorie: Events![]() Die Ohnmacht der Möglichkeiten ist 2007 zum Motto erklärt worden. Ich muss gestehen, so ganz klar ist mir nicht, warum. Weil es so schlimm ist, Alternativen zu haben, wie der Eingangstext zum Haldern-Pop-Magazin suggeriert? Don’t know. Aber nicht allzu viel drüber philosophieren, sonst ist man sich irgendwann nicht mehr im Klaren, ob die Haldern-Pop-Sprüche eigentlich nun hyper-tolle, unglaublich sympathische und nett-hippieske Querschüsse zur furchtbaren Sachzwangwelt darstellen oder doch nur den ewig jungen alten Wertkonservatismus verschleiern. Eine tolle, eine reizvolle Unsicherheit, wie ich finde. Da kommt man (seien wir ehrlich) ohne Headliner aus, und es ist trotzdem ausverkauft; weil: Ein gutes Publikum weiß um die Qualität der Überraschung. Noch so ein Haldern-Spruch. Andererseits sieht diese Überraschung dann nicht selten so aus wie ein Mann am Klavier, eher selten hingegen kommt sie aus einem queeren Umfeld oder gar einem Bereich jenseits der berüchtigten musikalischen Authentizität. Haldern 2007 also: Ein großes Mal-Sehen, und gerade das darf doch wohl vom tollsten Festival der Welt erwartet werden, oder? "Haldern Pop 2007, Part I. Die Ohnmacht der Möglichkeiten." vollständig lesen Konzertbericht: Maria Taylor / Boy Omega | 26. April 2007 | KFZ Marburg28. April 2007 / Kategorie: Eventsnicht schüchtern, nicht verlassen und nicht deprimiert ist. Er ist einfach nur Boy Omega. Der nette Kosmonaut von nebenan, der dich in einen gesunden Schlaf singen will... Ein wirklich gelungener und leider zu kurzer Auftritt. Hauptakt: Maria Taylor und Band. Aktuelles Album: Lynn Teeter Flower. Kurz die gängigen Fakten: Stammt aus dem Saddle Creek Dunstkreis, hat noch nebenbei ihr Projekt "Azure Ray" mit Kollegin Orenda Fink am Laufen und ist seit rund 6 Jahren die Freundin des Indieszenen Depri-Gottes Conor Oberst. Taylors Band, übrigens auch bestehend aus Bruder Macey Taylor und Schwester Kate Taylor, durfte dann also endlich loslegen. Klar, die Taylors machen nicht die Musik, die dich nach den ersten drei Akkorden deiner angewöhnten Kopfnickermentalität zu entreisen vermag. Aber hey. Nach 3 Songs konnte man spüren, dass Maria Taylor dann auch mitsamt Alternative-Folk Bagage irgendwie in Marburg angekommen und warm geworden ist. Und zugegebenermaßen darf man beim zweiten Gig einer fünfwöchigen Europatour schonmal Startschwierigkeiten haben. Die Show war gut. Punkt. Ich liebte es, wie Maria einige Songs fast alleine performte. Ich liebte die familiäre Stimmung. Die Ausbrüche und Pausen. Die Texte, die mindestens so zerbrechlich sind, wie Maria Taylor auf der Bühne wirkt. Und ich liebte den Rest dieses Abends. Mit der Band im Backstagebereich, mit Zach, dem Schlagzeuger, auf Clubtour inklusive Stadtführung am nächsten Morgen. Ein spezieller Abend. Wirklich...und Herrn Gustafsson morgens völligst verpennt und überhaupt nicht mehr "schüchtern" in seinem Hotelzimmer zu treffen: Priceless. See you soon, guys. YouTube Tour Video 2007 British Music Week19. April 2007 / Kategorie: Events Für diejenigen unter euch, die noch einen Wochenend-Ausgehtipp brauchen hier ein entsprechender Vorschlag: Vom 20. bis 28. April finden in Berlin, Hamburg, München und Köln stapelweise Konzerte britischer Künstler statt - entsprechend lautet die Veranstaltungsreihe auch British Music Week. Über 70 Acts (u. a. Idlewild, Client, Patrick Wolf, Brett Anderson, The Pipettes, The Others und viele Newcomer-Bands) werden auf diversen Bühnen stehen. Nette Idee und garantiert für jeden was dabei. Das komplette Programm findet ihr übrigens hier: http://www.britishmusicweek.de
Das Bierbeben - Live in Marburg / Café Trauma9. Mai 2006 / Kategorie: Events
In einem – ganz zu Recht – unbeachtet gebliebenen Spiegel-Artikel beschrie Andreas Borcholte Ende April eine Große Koalition des Stillstands im deutschen Pop, die alten Systemkritiker um Blumfeld, Tocotronic und Konsorten und die neuen Helden wie Mia. und Juli schmorten letztendlich nur im eigenen Saft. Blumfeld seien im Grunde ihres Herzens Spießer und satuierte Bürger, wohingegen die parallel veröffentlichenden Silbermond als Vertreter der Gegenseite ihr Heil im Festklammern ans Jetzt suchen, Angst vor Veränderung haben. Hüben wie drüben Orientierungslosigkeit, die Suche nach dem weiter. Längst werden beide Fraktionen nebeneinander im Radio gespielt, heißt es: Der Frühling 2006 beschert auch dem deutschen Pop seine Große Koalition.
Enttäuschend, vielleicht aber auch ganz beruhigend, zu wissen, dass das Pop-Universum des Spiegels nicht über Blumfeld, Tocotronic, Silbermond und Wir Sind Helden hinausgeht. Zumindest die Sterne, deren aktuelle Platte Räuber und Gedärm so gar nicht von Orientierungslosigkeit gezeichnet ist, hätte man Borcholte noch zugetraut. Es bleibt das unbefriedigende Gefühl des unnützen Besserwissens: Wenn Blumfeld und Silbermond die Große Koalition sind, sind Das Bierbeben die APO. "Das Bierbeben - Live in Marburg / Café Trauma" vollständig lesen Donaufestival 06 - Wochenende II4. Mai 2006 / Kategorie: EventsAm zweiten Wochenende des Donaufestivals haben Maßlosigkeit und Überfluss vom ansonsten geruhsam vor sich hindösenden Krems Besitz ergriffen, schwelgen sowohl Anhänger schmallippiger Avantgarde-Obskuritäten wie auch Freunde des an den Rändern des Kraut- und Rübenbeets alternativer Mainstream wuchernden Acts ob der fast schon übertrieben großzügigen Ausgestaltung des Programms in vereinter Glückseligkeit im Bermudadreieck zwischen den Fixpunkten Messehalle, Minoritenkirche und Ausnahmekonditor. "Donaufestival 06 - Wochenende II" vollständig lesen
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